Boll bringt das Channel Happening mit Dampfkraft zurück

Essen Stellt Um Digitalisierung

Kuriose Dampfmaschinen, eine Fülle von Zahnrädern und alles in von Holz und Kupfer dominierten Brauntönen. Wer am 26. August die Räumlichkeiten von JED Events in Schlieren besuchte, wurde in eine viktorianisch anmutende Parallelwelt versetzt.

In der ehemaligen NZZ-Druckerei fand nämlich die Rückkehr des Boll Channel Happenings statt – mit Steampunk als Motto. Lange musste der Channel warten: Das letzte eigentlich jährlich stattfindende Happening liegt schon 3 Jahre zurück. Damals feierte der Wettinger Distributor „50 Jahre Mondlandung“, wie Sie hier nachlesen können.

„Wir sind super zufrieden mit der Umsetzung“, sagte CEO Thomas Boll im Gespräch. „So eine schöne Stimmung und so viele gut gelaunte Menschen!“ Als Steampunk beim Organisationskomitee als mögliches Thema aufkam, waren laut Boll plötzlich alle begeistert. „Ich sehe, dass viele Teilnehmende beim Motto mitgemacht haben. Also: Ziel erreicht.“

CEO und Gründer Thomas Boll. (Source: Netzmedien)

Bei seiner Rede in vollem Steampunk-Kostüm auf der grossen Bühne sprach Thomas Boll die lange Pause seit dem letzten Channel Happening an. „2020 mussten wir den Anlass mitten in den Vorbereitungen absagen“, sagte der CEO. Die Pandemie war dazwischengekommen. „2021 probierten wir es gar nicht erst.“

Seit dem letzten Happening stellte der auf Security spezialisierte VAD 27 neue Mitarbeitende ein. Das zeige das klare Wachstum des Distributors, erklärte Thomas Boll anschliessend im Gespräch. „Wir verfolgen eine andere Strategie als unsere Mitbewerber“, sagte der CEO. „Wir packen den schwierigen Markt mit Vorwärtsdrang und Entwicklung an und nicht mit Sparmassnahmen.“

Seit dem letzten Boll Channel Happening in 2019 hat Boll 27 neue Mitarbeitende eingestellt. (Source: Netzmedien)

Neues für Partner

Beim Angebot gab es ebenfalls einige Neuerungen seit dem letzten Happening. Der IoT-Security-Anbieter Claroty übernahm die seit 2020 zum Boll-Portfolio gehörende Medigate. Also handelte der Disti auch mit Claroty einen Vertrag aus und listet nun dessen Lösungen. Das Internet der Dinge (IoT) sei das „next big Thing in Security“, kommentierte Thomas Boll auf der Bühne. „Es lohnt sich, hier die Fühler auszustrecken.“

Eine weitere Neuerung betrifft Seppmail. Der Schweizer Anbieter sicherer E-Mail-Lösungen präsentierte im Februar eine Cloud-Variante seines Secure-E-Mail-Gateways. Damit eigne sich die Lösung gemäss Thomas Boll etwa auch für sehr kleine Kunden oder für solche, die den technischen Aufwand für ein Gateway nicht betreiben wollen.

Das Motto des Abends war Steampunk. Auf dem Bild: Die Dampfkreationen des Tüftlers Raphaelius Alva Grusser. (Source: Netzmedien)

Seit Anfang Jahr Teil des Boll-Angebots ist Deep Instinct. Das Deep-Learning-Framework für Cybersicherheit des Anbieters nutze einen „sehr kleinen Agenten für verblüffende Resultate“, sagte Boll. 2021 baute der Disti sein Sortiment mit dem Priviledged Access Management von Fudo Security aus. Am Channel Happening hob Thomas Boll hervor, dass es sich um ein „sehr cleveres Produkt“ handle, das komplett cloud-basiert ist.

Ebenfalls in 2021 listete Boll Engineering mit Synack eine Lösung für Penetration-Tests, die künstliche Intelligenz mit Crowdsourcing vereint. „Das ist interessant, weil man so den Dienstleister über den Channel kaufen kann“, sagte Thomas Boll. „Das ist fast schon ein neues Vertriebsmodell.“ Angesichts des Fachkräftemangels eine gute Idee laut dem CEO und Gründer des VADs.

„VAD“ passt nicht wirklich

Thomas Boll sprach auf der Bühne aber auch über ein Problem. Je länger er darüber nachdenke, desto schwieriger werde es, zu erklären, was seine Firma eigentlich macht. „Das klassische Wort VAD trifft es nicht wirklich“, sagte er. „Ihr wisst ja, wenn ein Disti in der Lage ist, ein Etikett gerade auf ein Paket zu kleben, nennt er das schon Value Add.“

Der Event fand in den Räumlichkeiten von JED Events – der ehemaligen NZZ-Druckerei – statt. (Source: Netzmedien)

Boll Engineering mache eigentlich primär Sales Consulting. „Also sind wir eher ein ‚Consultributor‘?“, scherzte Thomas Boll. Boll sei aber auch eine Engineering-Firma mit zertifizierten Spezialisten. „Oder – was übrig bleibt – wir bezeichnen uns einfach als eine IT-Firma.“

Dieses gebündelte Fachwissen teile der Distributor mit seinen Partnern – kostenlos. „Wir verschenken dieses Know-how – unsere Services sind ja gratis“, sagte der CEO. „Das ist irgendwie ein komisches Geschäftsmodell das nicht richtig in die Landschaft passt. Aber es funktioniert!“ Laut dem CEO sei Boll Engineering bei allen Marken entweder die Nummer 1 im Schweizer Markt – oder der Exklusiv-Disti.

„Wir haben eine tragende Rolle in dem Markt.“ Kein anderes Unternehmen verfüge über so viel Mitarbeitende und Spezialisten bzw. Spezialistinnen. Alle mit dem Ziel, die Channelpartner zu unterstützen und erfolgreich zumachen. „Kein anderer VAD investiert so viel in Marketing und Business Development wie wir.“ Auch Reseller, die nicht bei Boll einkaufen würden, kämen sicher ins Schulungszentrum des Distis.

Ein weiteres Thema am Event war auch die 20-jährige Partnerschaft zwischen Boll und Fortinet. Was die beiden Firmen zusammengebracht hat und was sie zusammenhält, sagen Thomas Boll und Franz Kaiser, der ehemalige Schweiz-Chef von Fortinet, hier im Interview.

WLAN-Fallen in Schlieren

Der Security-Anteil kam nicht zu kurz beim diesjährigen Channel Happening. Der Event began dieses Jahr mit einer Hacking Challenge für die Boll-Partner. Diesen gewannen zwei Mitarbeitende von Abraxas.

Des Weiteren gab es einen Live Hack auf der Bühne durch die Firma Selution. Diesen präsentierten Tobias Buchter, Cyber Security Engineer, und Pascal Kocher, Lead Security Architect beim Schweizer Cybersecurity-Dienstleister.

Tobias Buchter (links) und Pascal Kocher von Selution. (Source: Netzmedien)

„Jeden Tag werden 75 neue Sicherheitslücken in IT-Systemen entdeckt“, sagte Kocher. Ein Durchschnittswert, der jährlich steigt – 2021 waren es noch 61 pro Tag, 2020 nur 51 pro Tag. „Es spielt keine Rolle, um was für eine Software es sich handelt. Jede Software hat mindestens eine Codezeile, mit einem Programmierfehler“, sagte Kocher. Eine qualitativ gute Software habe pro 2000 Zeilen Code einen Fehler.

Das war sein erstes Security-Axiom. Das zweite: Es gibt immer jemanden, der auf irgendeinen Blödsinn klickt. Technische Schwachstellen würden nämlich nur etwa 20 Prozent der Vorfälle ausmachen. Die restlichen 80 seien auf das Handeln und Nicht-Handeln von Menschen zurückzuführen.

Die erste Demo zeigte daher auf, wie man nichts ahnenden User und Userinnen überlisten kann. „Wer gut aufgepasst hat, stellte sicher fest, dass es hier unglaublich viele WLAN-Access-Points gibt“, sagte Kocher. 21 Happening-Teilnehmende hätten sich damit verbunden – oder wurden automatisch von ihren Handys verbunden. 157 der Access Points wurden allerdings von Selution kreiert. Dabei nutzen sie aus, dass Handys, die nicht mit einem WLAN-Netzwerk verbunden sind, aktiv nach bekannten Netzwerken suchen. Mit einem Gerät konnten die gutwilligen Hacker diese Suchanfragen zurückspiegeln und dem Handy vorgaukeln, dass es das gesuchte Netzwerk sei. Im weiteren Verlauf des Vortrags präsentierten die Security-Spezialisten zudem, wie sich die Schwachstelle Hafnium ausnutzen lässt.

Ein kleiner Vorgeschmack

Nach einem Flying Dinner endete der offizielle Teil des diesjährigen Boll Channel Happenings mit einem Kostümwettbewerb. Der eindeutige Gewinner war Flavio Boniforti, Network & Security Engineer sowie Partner bei First Frame Networkers. Der Disti kürte auch das beste Kostüm eines Boll-Mitarbeitenden. Dieser Preis ging an Product Manager Ruedi Kubli.

Flavio Boniforti von First Frame Networkers (mitte) erhielt einen Preis für sein Kostüm. (Source: Netzmedien)

Bevor die traditionelle Party losging, gab es noch einen kurzen Vorgeschmack auf das nächste Channel Happening – für diejenigen, die schon jetzt damit beginnen wollen, ihr Kostüm zusammenzustellen. 2023 soll nämlich ein Wikingerfest werden. Der Beginn der sogenannten Wikingerzeit wird nächstes Jahr nämlich 1230 Jahre zurückliegen. Am 8. Juni 793 überfielen Wikinger erstmals England – und zwar das Kloster Lindisfarne auf der gleichnamigen Insel vor der Nordost-Küste Englands. In dem Sinne: Skål!

Und noch ein Fun Fact zum Schluss: Wer nächstes Jahr mit einem historisch korrekten Kostüm überzeugen möchte, sollte den gehörten Helm zuhause lassen. Das Bild des Wikingerhelms mit Hörnern ist wohl auf Richard Wagner zurückzuführen und nicht auf die historischen Wikinger. Diese nutzten Hörner nämlich zum Trinken.

Nadia Saba, HR-Managerin bei Boll Engineering, führte als Moderatorin durch den Abend. (Source: Netzmedien)

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